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Sylvester in Beirut

Eines der ungewöhnlichsten Konzerte der Bandgeschichte war ohne Zweifel unser Silvesterkonzert in Beirut. Eine Agentur hatte diese Sache an uns herangetragen. Beirut kannten wir bis dato nur aus den Nachrichten und waren ehrlich gesagt anfangs sehr skeptisch, ob wir annehmen sollten. Nach langem Hin und Her entschieden wir uns dafür und wurden mit einem echten Abenteuer belohnt.

Bereits kurz nach der Ankunft und der darauffolgenden Fahrt durch das nächtliche Beirut fiel es schwer, die Stimme im eigenen Kopf zu überhören, ob man wohl von allen guten Geistern verlassen wäre, diesen Gig angenommen zu haben. Eine vom Krieg noch immer sehr gezeichnete Stadt und hier und da ein Jugendlicher mit Maschinenpistole. Zugegeben: uns war mulmig.
Wir freuten uns nach einem langen Flug auf unser Hotelzimmer. Immerhin war es bereits drei Uhr in der Nacht. Doch stattdessen karrte man uns erst einmal in den Club, in dem wir am nächsten Abend auftreten sollten, man wolle nur schnell noch etwas Werbung machen… Dies sah dann wie folgt aus: man stellte uns so wie wir waren - müde, ungeschminkt, ohne Kostüme - auf den Tresen dieses vollkommen überfüllten Clubs, legte eine Original ABBA-CD ein und drückte uns Sendermikros in die Hand und meinte: „los, einfach singen!“.

Da standen wir also. Mitten in der Nacht in einem Club in Beirut auf dem Tresen, sahen aus wie die letzten Penner und sangen „Super Trouper“ für Leute, die weder wussten, wer wir waren noch was wir da sollten. Etwas Skurrileres habe ich bis heute nicht erlebt.

Nach einer kurzen Nacht im Hotel genossen wir dann erst die beeindruckende Gastfreundschaft dieses Landes, bevor wir dann am Nachmittag zurück in den Club fuhren, um Soundcheck zu machen. Bei der Ankunft dann die nächste Überraschung: nichts von dem Equipment, das wir geordert hatten, war da. Wirklich gar nichts.
Während wir uns schon innerlich davon verabschiedeten, dass an diesem Abend auch nur ein Ton über die Rampe ginge, stellte sich uns ein tiefenentspannter Mann namens Habib vor. Jeder zweite Satz, den er sprach, war: „don`t worry“. Spätestens hier lernten wir, wie unentspannt wir Europäer sein können. Habib verstand die Aufregung gar nicht. Sagte wieder: „don`t worry“, fragte, was wir denn bräuchten, nahm sein Handy und 20 Minuten später trugen unzählige Menschen alles Mögliche an Equipment herein. An einem Silvesterabend in Deutschland ein Ding der Unmöglichkeit. Erst recht innerhalb von 20 Minuten.
So spielten wir doch noch unseren Gig, der bei all diesen Erlebnissen und Eindrücken fast zur Nebensache wurde. Da wir in der Neujahrsnacht noch nach Hause flogen, gab es mal wieder keinen Schlaf. Aber das war es wert.
Wir haben überaus nette Menschen kennengelernt und unvergessliche Erinnerungen mit zurück gebracht. Das war mal etwas ganz Besonderes.